Ein warmes Hallo beim Tierphysioblog von Physio für Tiere

Diese Seite erstelle ich aus dem Wunsch heraus, Wissen zu teilen, welches ich im Rahmen meiner Recherchen, Weiterbildungen und persönlichen Erfahrungen erlangt habe. Ich werde also aus dem „Nähkästchen“ plaudern…

Ich möchte Ihnen als Tierbesitzer mehr Einblick in mein Verständnis von Physiotherapie und Tiergesundheit geben und tierische Verhaltensweisen aus der „Physiosicht“ anschauen. Weiter möchte ich mit Tipps und Tricks dazu beitragen dass Sie in der Zusammenarbeit mit Ihrem Tier erfolgreicher sein können und früher feststellen wenn Etwas nicht mehr in Ordnung ist.

Für und mit Physiokollegen, Tierärzten und Therapeuten möchte ich verschiedenste Problemstellungen thematisieren. Ich interessiere mich sehr für neue Techniken und Technologien und versuche den Blick nach links und rechts in die angrenzenden Fachbereiche stets offen zu halten. Meine Vision ist ein Netzwerk aus Therapeuten, medizinischen Fachpersonen und Trainern, welches sich zum Wohle der Patienten austauscht und wo die Stärken der einzelnen Bereiche optimal zum tragen kommen.

Ihre Meinung interessiert mich! 

Ich freue mich über Anregungen, Rückmeldungen, Richtigstellungen, Diskussionen und konstruktive Kritik. Despektierliche oder sachfremde Einträge werden aber umgehend gelöscht.

Merci fürs reinschauen und tierische Grüsse wünschen

Startbild Tierphysioblog

Mirjam und Bella

Die GELENKGESUNDHEIT beim wachsenden HUND unterstützen

20.03.2020

Problematik

Jede Hunderasse kennt rassetypische Krankheitsbilder. Einige davon betreffen den Bewegungsapparat und die Gelenke. Da ein Hund aber je nach Rasse erst mit 1-2 Jahren ausgewachsen ist, kommt er i.d.R. in sein neues Zuhause bevor abschliessend klar ist, ob der Hund gesunde Gelenke hat oder nicht. Die Genetik ist nur ein Puzzleteil ist, welches passen kann oder nicht. Weiter entscheidend für die Gelenkgesundheit sind die Fütterung und die Bewegung/Belastung die der Hund bekommt, während sein Skelett und seine Muskulatur im Wachstum sind. Das heisst, dass es möglich ist, dass ein gesunder Welpe durch fehlerhafte Fütterung und zu hohe Belastung bereits als Junghund Gelenkschäden hat. Das heisst aber auch dass bei einem Welpen aus schlechter Zucht teilweise durch gute Fütterung (nicht zuviel Futter und nicht zuviel Kalzium) und sorgfältiges auftrainieren von Muskulatur die Gelenke trotzdem stabil und gesund werden können. Entscheidend dafür ist, was in den ersten 1-2 Lebensjahren des Hundes passiert.

Herby im Alter von 4.5 Monaten

Herby habe ich im noch während meiner Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin im Tierheim kennengelernt. Er wurde mir vorgestellt weil seinen Pflegerinnen aufgefallen war, dass er komisch läuft und sich deshalb an den Hinterläufen auch die Pfotenballen aufgeraspelt hat.

Herby’s Gangbild war sehr auffällig. Stark ausgedrehte Hinterbeine, ein wackeliger Watschelgang aus der Hüfte und ein auffälliges in den Boden reinstapfen mit den Hinterpfoten. Dazu kam teilweise noch eine leichte Lahmheit aufgrund seiner aufgerissenen Pfotenballen hinten links. Als Physioneuling hatte ich noch kaum Erfahrungswerte und konnte das Gangbild einzig mit Herbys gleichaltrigem Halbbruder vergleichen, der deutlich stabiler unterwegs war. Deshalb hab ich mir Hilfe bei meinen Dozentinnen geholt. Das Fazit daraus war: Für ein Schäferhund von 4.5 Monaten ist das Gangbild nicht super aussergewöhnlich, ABER es bestehe dennoch dringender Handlungsbedarf um nicht zu riskieren dass sich durch das ganze „Gewackel“ Schäden an den Hüftgelenken ergeben. Denn Hüftdysplasie ist eine der rassetypischen Krankheiten des Weissen Schweizer Schäferhundes und Herby als Tierheimhund mit Sicherheit nicht aus einer besonders seriösen Zucht.

Getroffene Massnahmen

Im Fall von Herby haben wir folgende Sofortmassnahmen besprochen und umgesetzt:

  • Futtermittel auf Ca/P Verhältnis prüfen
  • Futtermenge am untersten Limit halten
  • Koordinationstraining mit Cavalettistangen
  • Krafttraining mit statischen Gleichgewichtsübungen
  • Verzicht auf Frühkastration
Die Gründe dafür: 
  • Ein Junghund kann im Gegensatz zum erwachsenen Hund überschüssiges Kalzium offenbar nicht ausscheiden. Ein Kalzium Überschuss kann dazu führen, dass die Knochenschicht unter dem Gelenkknorpel so dick wird, dass die Ernärung des Knorpels nicht mehr funktioniert und ganze Knorpelstücke absterben (OCD).
  • Ein Junghund der mehr Nährstoffe zur Verfügung hat, wächst schneller. Das Skelett entwickelt sich dabei zuerst und Muskeln, Sehnen und Bänder hinken etwas hinterher. Es kommt deshalb zu einer Phase in der die Gelenke nur schlecht stabilisiert und anfälliger auf Überbelastungen und Verletzungen sind. Ausserdem ist bei einem schnellwachsenden Skelett die Gefahr grösser, dass parallel verlaufende Knochen wie Elle und Speiche im Unterarm unterschiedlich schnell wachsen. So kann es zu Stufen oder Verdrehungen zwischen den Unterarmknochen kommen. Der Zweite Faktor dabei ist das Gewicht. Junghunde sind ungestüm und je weniger Gewicht beim Herumtoben auf die Gelenke einwirkt umso geringer ist auch das Risiko dass dabei Schäden entstehen. Die Angst dass der Hund wegen Futtermangel klein bleibt ist unbegründet. Es gibt Studien, die beweisen dass die Endgrösse des Hundes genetisch festgelegt ist und die Futtermenge nur mit entscheidet wie schnell er diese Endgrösse erreicht.
  • Mit Koordinationsübungen können wir dem Hund helfen ein besseres Gefühl für seinen Körper und seine Gliedmassen zu bekommen. Wenn er in kontrolierten Übungen lernt Distanzen abzuschätzen und seine Beine sauber zu positionieren läuft er weniger in Gefahr dass er sich bei einem „Missgeschick“ verletzt.
  • Muskeln sind die Lebensversicherung für instabile Gelenke. Heute ist es im Humanbereich normal, dass gerissene Bänder am Fussgelenk nicht mehr operiert, sondern die umliegenden Muskeln auftrainiert werden. Die Hinterbeine des Hundes sind über lange kräftige Muskeln am Rumpf befestigt und wenn diese Muskeln genügend Kraft und Spannung aufweisen können Sie im Extremfall das Bein sogar dann in seiner Sollposition halten, wenn gar kein Hüftgelenk mehr da ist.
  • Auch beim Verzicht auf eine Frühkastration gibt es zwei Aspekte. Zum einen ist wissenschaftlich belegt, dass sich die Wachstumsfugen von kastrierten Hunden aufgrund der fehlenden Sexualhormone später schliessen als bei intakten Hunden. Dadurch werden die grossen Röhrenknochen länger und die Biomechanik des Hundes verändert sich. Damit einher geht ein etwas grösseres Risiko für HD und Kreuzbandrisse. Der zweite Aspekt ist die Muskelentwicklung die speziell beim unkastierten Rüden durch den Testosteroneinfluss besser ist. Und da die Muskulatur die Gelenke stützt und schützt, möchten wir möglichst viel davon haben. Ich empfehle deshalb bei Hunden die im Wachstum instabile Gelenke haben oft, mit einer allfälligen Kastration zu warten bis der Hund ausgewachsen ist.
Mehr über die Dynamik von Ernährung und Bewegung des Hundes im Wachstum findet sich in den beiden Artikeln von Dr. med. Vet. Daniel Koch, die auf der rechten Seite verlinkt sind.

Trainingserfolge und Herby heute

Herby hatte das grosse Glück, dass bald klar war, dass er bei seiner Pflegerin würde bleiben dürfen. Die beiden haben direkt nach der ersten Instruktion mit Cavalettitraining angefangen und in der zweiten Woche nahmen wir den Peanutball dazu, auf dem sich Herby mit den Vorderpfoten aufgestützt und die Position während einigen Sekunden ausbalanciert hat. Die Trainingseinheiten waren zu Beginn nie länger als 10 Minuten und doch war nach zwei Wochen die Muskulatur im linken Hinterbein schon deutlich kräftiger und auf dieser Seite ist er nun auch gerade aufgetreten während dem das rechte Hinterbein noch immer etwas herumgewackelt hat. 

Nun war unser Hauptaugenmerk der, dass das zweite Bein mitkommt. Damit dass wir das stärkere linke Bein regelmässig mit Massagen gelockert haben, dass die Muskulatur nicht zu fest wird und viel mit Gleichgewichtsübungen gearbeitet haben, für die es zwingend beide Hinterbeine braucht, hat sich der Erfolg langsam eingestellt. Nun wurden auch allgemeine Kräftigungsübungen wie etwa das Häschen in den Trainingsplan integriert. Das Kriechen nutzten wir um die Hinterbeine weiter koordinativ zu fordern. Nach 2.5 Monaten gingen wir dazu über auch dynamische Kraftübungen wie etwa den Wechsel zwischen Sitz und Steh oder Sitz und Aufstützen einzubauen. Erst wenn Herby sich maximal anstrengen musste, hat er das schwächere rechte Hinterbein sauber belastet. Nach und nach wurde das Ungleichgewicht aber kleiner.

Als Herbys Besitzerin das Tierheim nach bestandener LAP verliess, sah ich Herby längere Zeit nicht mehr. Umso mehr freute ich mich, als ich eine ganze Weile später sein Instagramprofil entdeckt und gesehen habe wie toll er sich entwickelt hat und was für ein fitter, schlanker, hübscher und gut gelaunter Hund er heute ist :-)! 

Auch wenn nie ganz klar ist, welchen Einfluss die therapeutischen Massnahmen an einer Entwicklung letztenendes gehabt haben.. Ich bin happy mit dem Resultat und stolz durfte ich meinen Beitrag dazu leisten.

BLUTEGEL: Kleine Tiere, grosse Wirkung

06.03.2020

Der geschichtliche Hintergrund

Die Blutegeltherapie ist in der Humanmedizin bereits seit Jahrtausenden bekannt und weltweit verbreitet. 1884 wurden die ersten Wirkstoffe entschlüsselt und dokumentiert. Aber erst nach 1970 konnte pharmazeutisch bewiesen werden dass und wie einige der Wirkstoffe funktionieren. In Deutschland ist der Blutegel seit 2008 ein Arzneimittel. In der Schweiz ist er das nicht und untersteht deshalb auch nicht dem Arzneimittelgesetz. Therapeutisch eingesetzt wird der Hirudo medicinalis der eigens dafür gezüchtet und aufgezogen wird. Damit ist auch ausgeschlossen dass der Blutegel Krankheiten übertragen kann. Die bekannteste Zuchtanlage ist die Biberthaler Blutegelzucht in Deutschland.

Wo und wann können Blutegel helfen?

Pferde, Huf- und Klauentiere

  • Arthritis / Arthrose (z.B. Schale, Spat)
  • Huf- / Klauenerkrankungen (z.B. Hufrehe, Mortellaro, Hornfäule, Hufkrebs)
  • Erkrankungen des Bänder- und Sehnenapparates (Sehnen- Sehnenscheiden- und Fesselträgerentzündungen, Kreuzbandbeschwerden, Patellaluxation)
  • Gallen (auch Piephacke, Nackenbeule etc.)
  • Hufrollenproblematiken (Podotrochleose und -itis)
  • Wirbelsäulenerkrankungen (Spondylose, Kissing Spines)
  • Ataxien (Bewegungskoordinationsstörungen)
  • Lumbago (Kreuzverschlag)
  • Myalgien und Myogelosen (Muskelschmerz und -verklebungen)
  • Druckstellen (Sattel- oder Geschirrdruck)
  • Ekzeme (z.B. Sommerekzem, Mauke)
  • Phlegmone (Einschuss), Abszesse
  • Mastitis (Euterentzündungen)
  • Wundheilungsstörungen
  • Narbenprobleme (auch post-OP)
  • Hämatome (Blutergüsse)
  • Venenerkrankungen (Thrombose, Trhombophlebitis)
  • Lymphangitis
  • Zahn- und Kiefererkrankungen

Hunde, Katzen, Nagetiere

  • Arthritis / Arthrose
  • Gelenkfehlbildungen (Dysplasien wie HD, ED)
  • Erkrankungen des Bänder- und Sehnenapparates
  • Wirbelsäulenerkrankungen (Spondylose, Diskopathien, Cauda Equina, Keilwirbel etc.)
  • Nervenreizungen und -entzündungen (z.B. Ischialgie)
  • Lumbago
  • Myalgien und Myogelosen (Muskelschmerz und -verklebungen)
  • Ekzeme (Leckekzem, Ohrekzem, Zwischenzehenekzem)
  • Abszesse
  • Mastitis (Gesäugeentzündungen)
  • Wundheilungsstörungen
  • Narbenprobleme (auch post-OP)
  • Hämatome (Blutergüsse)
  • Venenerkrankungen (Thrombose, Trhombophlebitis)
  • Lymphangitis
  • Zahn- und Kiefererkrankungen

Wann werden keine Blutegel eingesetzt?

Bei einem schlechten Allgemeinzustand, bei Blutgerinnungsstörungen, wenn blutverdünnende Medikamente eingenommen werden oder welche, die das Immunsystem schwächen, bei Blutarmut, bei Magen- oder Darmgeschwüren mit Blutungsneigung, Wenn ein akuter Infekt besteht, Bei schlechten Organwerten, Wenn Allergien gegenüber Wirkstoffen der Saliva bekannt sind, bei generellen Wundheilungsstörungen oder einer Tendenz zu überschiessenden Narben (Keloid).

Blutegel unterliegen im deutschen Pferdesport den Antidopingbestimmungen und dürfen 48h vor dem Start nicht mehr eingesetzt werden. Um auf Nummer sicher zu gehen wende ich deshalb 3 Tage vor sportlichen Wettkämpfen weder bei Pferd noch Hund Blutegel an.

Wie wirkt der Biss des Blutegels?

Der Blutegel gibt vor dem eigentlichen Saugen während ca. 10 min seinen Speichel (Saliva) in die Blutbahn des Patienten ab. Die Saliva enthält eine Vielzahl von medizinisch bedeutsamen Substanzen. Einige davon kennt man, einige davon sind nach wie vor unbekannt, weshalb der Wirkstoffcocktail derzeit auch nicht künstlich nachgebildet werden kann. Hirudin und Calin wirken als Blutgerinnungshemmer und Egeline und Bdelline als Entzündungshemmer und Schmerzmittel. Der Blutegel erreicht damit dass sein Biss vom Tier unentdeckt bleibt und das Blut während dem Saugvorgang gut fliesst.

Offenbar wissen auch Tiere um die heilsamen Substanzen. So gibt es Berichte von Nutztieren und Wildtieren mit schmerzhaften Gelenkproblemen, die gezielt Gewässer aufsuchen um sich dort „behandeln“ zu lassen.

Wie läuft eine Behandlung ab?

Der Patient sollte zum Behandlungszeitpunkt nicht hungrig und versäubert sein, weil die Prozedur gerne 60-120min dauert. Die zu behandelnde Stelle soll bereits in den vorangehenden Tagen nicht mehr mit Salben, Shampoos, Fliegenspray etc. in Kontakt kommen. In einem kurzen Vorgespräch wird nochmals abgeklärt ob keine Gründe gegen die Behandlung sprechen.

Wenn der Egel angesetzt ist, beisst er entweder direkt an der erstbesten Stelle oder sucht sich den idealen Zugang. Ich habe persönlich bessere Erfahrungen damit gemacht, das Fell an der Bissstelle nicht zu rasieren.

Der Beissvorgang ist ein eigentliches „einritzen“ bei dem der Egel mit seinen Kalkzähnchen einen kleinen Mercedesstern in die Haut ritzt. Viele Tiere reagieren darauf nicht, aber bei Pferden und in Hufnähe besteht die Gefahr, dass der Egel dabei abgeschüttelt oder mit der Nase abgestreift wird. Das ist nach Möglichkeit zu verhindern.

Nach dem Beissen, gibt der Egel seinen Speichel in die Blutbahn des Tieres ab. Danach beginnt er deutlich sichtbar zu saugen was in der Regel nochmals 30-60 Minuten dauert. Viele Tiere dösen während dem Saugen vor sich hin und reagieren lediglich dann, wenn der Egel ggf. nochmals nachritzt. Wenn er satt ist, oder sich das Tier zu stark bewegt, lässt sich der Egel vom Tier runterfallen. Das ist ein Schutzmechanismus, damit der Blutegel, ein Wasserbewohner, in der Natur nicht zu weit von seinem Teich weggetragen wird.

Die Bissstelle blutet in der Regel ca. 3-6h nach. Dabei tröpfelt das Blut langsam aber stetig im Abstand von wenigen Sekunden aus der Wunde. Die Wunde darf mit einer Gaze und Heftpflaster abgedeckt werden, soll aber nicht fest verbunden werden, weil die Blutung sonst unter die Haut geht und zu einem massiven Hämatom werden kann. Die Bissstellen können während ca. einer Woche noch einen mehr oder weniger starken Juckreiz auslösen, sind aber möglichst unberührt zu belassen. 

Wann tritt die Wirkung ein, und wie lange hält sie an.

Die Schmerzlinderung setzt oft unmittelbar nach dem Biss ein und hält danach oft Wochen oder gar Monate an. Ich habe zur Schmerztherapie die besten Erfahrungen dann gemacht, wenn nach der Erstbehandlung im Abstand von 1-3 Wochen eine Nachbehandlung erfolgt. Danach warte ich ab ob die Beschwerden zurückkommen und wie lange es dauert. Einige Beschwerden verschwinden dauerhaft, andere können im Abstand von i.d.R. einigen Wochen langfristig weiterbehandelt werden. Bei Wundbehandlungen reicht oft ein einmaliger Einsatz. Es gibt aber auch Tiere und Beschwerden die auf die Blutegeltherapie nicht ansprechen.

Videobericht Landschau Baden-Württemberg

Behandlungsdokumentation 2019

7. Dezember

Joy 07.12.2019

13. Dezember vor der Behandlung

Joy 13.12.2019

22. Dezember Tag 9 nach der Behandlung

Joy 22.12.2019

KREUZBANDRISS BEIM HUND: Eine Übersicht zu möglichen physiotherapeutischen Massnahmen

26.02.2020

Der Kreuzbandriss ist auch beim Hund eine der meist verbreiteten Erkrankungen des Bewegungsapparats. In vielen Fällen wird ein Kreuzbandriss operativ versorgt, aber in nur wenigen Fällen wird nach der OP eine physiotherapeutische Betreuung verordnet.

Wenn man aber bedenkt, dass nach dem ersten Knie die Gefahr gross ist, dass aufgrund der Überbelastung in der Rehabilitationsphase auch das zweite Kreuzband reisst, macht es Sinn dem entgegen zu wirken. Ich bin auch der Meinung, dass es unsinnig ist für gutes Geld zu operieren und dann die Nachsorge nur halbbatzig anzugehen. Ein Fachartikel der meine Ansicht stützt und wissenschaftlich untermauert findet sich als Link auf der rechten Seite.

PATELLALUXATION: Der kleine Hund, der "lustig" hüpft

23.02.2020

Wieso dieses Thema?

Die Patellaluxation, das ausrenken der Kniescheibe während dem laufen, beschäftigt mich aktuell bei einem meiner Patienten. In den letzten Tagen habe ich nochmals alles mögliche dazu gelesen und möchte hier deshalb einen kurzen Überblick geben.

Welche Fuktion hat die Kniescheibe eigentlich?

Damit der vordere Oberschenkelmuskel das Kniegelenk überhaupt gestreckt halten kann, muss er mit dem Unterschenkel verbunden sein. Der Muskel selber endet aber bereits über dem Knie. Die Kniescheibensehne ist das Zugseil, welches vom Muskelende über die beiden Knochenenden von Ober- und Unterschenkel bis zum Verankerungspunkt im Unterschenkel runterreicht. Damit dieses Zugseil beim Biegen und Strecken des Beines nicht an den beiden Knochenenden von Ober- und Unterschenkel scheuert, braucht es eine Schutzvorrichtung. Die Kniescheibe, ein kleiner, flacher, leicht gewölbter Knochen, ist fest in die Kniescheibensehne eingewoben und rutscht anstelle der blossen Sehne passgenau, wie ein Bob im Eiskanal in einer Knochenrinne auf und ab. Dadurch kann sich das Bein fast ohne Reibung biegen und strecken und die Sehne bleibt immer schön in der Mitte des Gelenks. Eigentlich….

Woran sehe ich, dass bei meinem Hund die Kniescheibe ausrenkt?

Oft fängt es bei betroffenen Hunden schon im Welpenalter an, dass die Kniescheibe sich ab und zu plötzlich „ausrenkt“. Die Wände des Eiskanals sind nicht hoch genug und/oder das Zugseil zu lang. Der Bob kann auf der Innen- oder Aussenseite raushüpfen und durch seine Verbindung zum Zugseil -der Sehne- das Knie kurzzeitig blockieren. Wenn der Hund seinen vorderen Oberschenkelmuskel anspannt, reicht das oft schon um die Kniescheibe wieder in ihre Rinne zurück zu ziehen. Wir sehen also bloss, dass der Hund mit dem Betroffenen Bein einen einzelnen oder mehrere Schritte auslässt und dann normal weiter läuft. Das Rausspringen und wieder Einrenken tut zwar beim ersten Mal meist weh und gibt im Knie für einige Tage eine Schwellung. Danach ist das Aus- und wieder Einrenken aber für lange Zeit kaum mehr schmerzhaft. Wir müssen uns aber vorstellen, dass ausserhalb unseres Eiskanals kein Schnee liegt. Der  Bob rutscht über Stock und  Stein und seine Aussenhülle, der Gelenkknorpel der Kniescheibe, wird mit jedem Ausflug aus dem Kanal etwas stärker zerkratzt. Mit der Zeit ist er so rau, dass er dann seinerseits Spuren im Eiskanal, der Kniescheibenrinne, hinterlässt. Nun geht die Schädigung auch bei normaler Bewegung weiter.

Wenn Knorpel verletzt und immer mehr und mehr geschädigt wird, sprechen wir von Arthrose. Nun wird jede Bewegung schmerzhaft. Das Kniegelenk kann sich entzünden und ist dann warm und geschwollen. Es ist auch möglich, dass sich die aufgerauten Oberflächen von Kniescheibe und Knochen so verhaken, dass die Kraft des Muskels nicht mehr ausreicht um die Kniescheibe in ihre Rinne zurück zu ziehen. Wenn die Kniescheibe ausserhalb der Rinne hängen bleibt, kann der Hund sein Bein nicht mehr richtig strecken und spätestens Jetzt wird das Problem sichtbar, weil der Hund hinkt. Er hat aber vermutlich schon eine ganze Weile Schmerzen. Leider ist Knorpel nicht sehr gut darin, sich von Verletzungen wieder zu erholen. Deshalb lohnt es sich bei der Patellaluxation, genau hinzuschauen und früh zu reagieren.

Was kann ich tun?

Früh reagieren heisst, den Hund bei ersten Anzeichen von Patellaluxation genau beobachten. Wenn das Ausrenken über einige Wochen regelmässig auftritt, macht es Sinn den Hund tierärztlich abklären zu lassen. Der Tierarzt wird den Hund im Stehen und im Liegen abtasten und dabei beurteilen, wo die Kniescheibe gerade steht, ob sie sich von Hand aus der Rinne raus und wieder zurück drücken lässt und ob die Kniescheibenrinne zu flach ist. Teilweise wird er auch mittels Röntgenbild kontrollieren, ob es bereits sichtbare Schäden im Gelenk gibt. Wenn die Kniescheibenrinne schlecht ausgebildet ist, ist eine OP der sicherste Weg um das Problem nachhaltig zu lösen. Dabei wird die Kniescheibenrinne künstlich vertieft. Wie diese OP genau aussieht, ist im Video sehr schön beschrieben. Eine OP wird dann empfohlen „wenn die Hunde oft auf 3 Beinen gehen“. Zunächst kann aber meist auch versucht werden das Knie mit Physiotherapie zu stabilisieren.

Gibt es andere Möglichkeiten als eine OP?

Bei der Physiotherapie nutzen wir die Tatsache, dass die Sehne, die die Kniescheibe immer wieder an ihren Platz zurückzieht, mit dem vorderen Oberschenkelmuskel zusammenhängt. Wenn wir diesen Muskel trainieren und er dicker und stärker wird, erhöhen wir automatisch auch die Spannung auf dem Zugseil. Die Gefahr dass unser Bob „entgleist“ wird damit kleiner. Je schlechter die Muskelspannung bei Start der Therapie ist, umso mehr können wir hier bewirken und gerade bei jungen Hunden, die noch eher schwächere Muskulatur haben, kann es deshalb sein, dass gezieltes Training dieses vorderen Oberschenkelmuskels ausreicht um die Kniescheibe langfristig zu stabilisieren. Drei Übungen zum Muskelaufbau sind rechtsaussen im Artikel von Martina Flocken beschrieben.

Einige Dinge möchte ich zur Physiotherapie noch sagen.

  • Der direkte Zusammenhang zwischen der Kniescheibenstabilität und Oberschenkelmuskulatur bedeutet leider auch, dass die Patellaluxation im Alter, wenn die Muskelkraft und -spannung nachlässt erneut auftreten kann. Es lohnt sich also das Muskeltraining möglichst ein ganzes Hundeleben beizubehalten und nie ganz zu vergessen, dass da mal ein Problem war und dieses durchaus wieder auftauchen könnte.
  • Es ist erwiesen, dass unkastrierte Hunde tendenziell besser Muskulatur aufbauen. Weil uns die Muskeln im Fall der Patellaluxation helfen, die Kniescheibe zu stabilisieren, gebe ich teilweise die Empfehlung ab, einen Hund nicht, oder erst später zu kastrieren. Später heisst für mich dann, wenn der Hund körperlich voll ausgewachsen ist, also je nach Rasse mit 1-3j. 
  • Bei Hündinnen werden während der Läufigkeit Hormone ausgeschüttet die Sehnen und Bänder lockerer werden lassen. Es kann  vorkommen, dass die Kniescheibe immer dann ausrenkt wenn die nächste Läufigkeit ansteht und das Problem mit Abklingen der Läufigkeit wieder verschwindet. In dem Fall kann die Kastration ggf. eine Möglichkeit sein die Patellaluxation zu reduzieren. Wichtig ist hier, dass hier zwischen zwei Läufigkeiten kastriert wird, wenn die Bänder und Sehnen gerade eher straff sind. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Tierarzt beraten.
  • Ich finde es in vielen Fällen sehr sinnvoll erst den konservativen Weg ohne OP und über Muskelaufbau zu versuchen. Aber im Hinterkopf muss der Bob auf der Geröllhalde sein. Wenn sich die Situation des Hundes nach ca. 2-3 Monaten nicht verbessert muss ernsthaft überdacht werden ob nicht doch die OP in Betracht gezogen wird, bevor der Knorpel zu stark geschädigt ist. 
  • Auch nach einer Operation ist -sobald wieder belastet werden darf- Krafttraining der sicherste Weg, dass das Knie möglichst bald beschwerdefrei und stabil funktioniert. 
  • Unterstützend können in jedem Fall Knorpelaufbaupräparate helfen, das Fortschreiten der Schädigung zu verlangsamen. Im Idealfall bewirken sie sogar, dass sich der Knorpel sich wieder etwas erholen kann.

 

Tolles Erklärvideo, Enke Verlag

Für mich die anschaulichste Erklärung zur Patellaluxation, die auf Youtube zu finden ist.

BUDDELN: Unerwünschtes Verhalten oder perfektes Training?

14.02.2020

Darauf gebracht hat mich am letzten Dienstag eine Kundin. Ihr Hund ist seit einem Unfall vor über einem Jahr mehrheitlich auf drei Beinen unterwegs. Mittlerweile sind wir so weit, dass er an guten Tagen wieder regelmässig auf sein rechtes Hinterbein draufsteht und so auch kontrolliert Treppen steigen kann. Sobald es aber zu schnell oder zu uneben wird, entlastet er das Bein sofort wieder. Deshalb arbeiten wir daran, dass das Bein kräftiger wird und der Hund sein Gewicht auf den Hinterbeinen wieder gleichmässiger verlagert.

Während dem ich den Hund massiere, äussert die Kundin ihren Ärger darüber, dass er in den letzten Wochen auf den Spaziergängen angefangen hat zu buddeln. Das hatte er lange Zeit nicht mehr gemacht und darf er eigentlich auch nicht. Im ersten Moment habe ich mir nichts weiter dabei gedacht. Aber als ich mir auf der Heimfahrt überlegt habe wie extrem sich ein Hund während dem Graben auf beiden Hinterbeinen stabilisieren muss ist mir erst klargeworden, dass das

a) vermutlich ein Zeichen dafür ist dass es mit seiner Hinterhandstabilität und der Belastbarkeit des Beins weiter vorwärts geht.

b) wenn er das gerne macht, es für Ihn eine ganz gute Trainingsübung ist.

Wir haben mittlerweile besprochen wo und wie Sie das buddeln möglichst kontrolliert auf ihren Spaziergängen einbauen kann und beobachten inwiefern es uns als Trainingstherapie sogar weiterbringt.

Damit man sich die Kräfte die beim buddeln auf den Hundekörper wirken besser vorstellen kann, habe ich Bella zu einer kurzen Demonstration animiert. Buddeln ist so quasi die Bauch-Beine-Po-Übung für den Hund.

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