Diese Seite erstelle ich aus dem Wunsch heraus, Wissen zu teilen, welches ich im Rahmen meiner Recherchen, Weiterbildungen und persönlichen Erfahrungen erlangt habe. Ich werde also aus dem „Nähkästchen“ plaudern…

Ich möchte Ihnen als Tierbesitzer mehr Einblick in mein Verständnis von Physiotherapie und Tiergesundheit geben und tierische Verhaltensweisen aus der „Physiosicht“ anschauen. Weiter möchte ich mit Tipps und Tricks dazu beitragen dass Sie in der Zusammenarbeit mit Ihrem Tier erfolgreicher sein können und früher feststellen wenn Etwas nicht mehr in Ordnung ist.

Für und mit Physiokollegen, Tierärzten und Therapeuten möchte ich verschiedenste Problemstellungen thematisieren. Ich interessiere mich sehr für neue Techniken und Technologien und versuche den Blick nach links und rechts in die angrenzenden Fachbereiche stets offen zu halten. Meine Vision ist ein Netzwerk aus Therapeuten, medizinischen Fachpersonen und Trainern, welches sich zum Wohle der Patienten austauscht und wo die Stärken der einzelnen Bereiche optimal zum tragen kommen.

Ihre Meinung interessiert mich! 

Ich freue mich über Anregungen, Rückmeldungen, Richtigstellungen, Diskussionen und konstruktive Kritik. Despektierliche oder sachfremde Einträge werden aber umgehend gelöscht.

Merci fürs reinschauen und tierische Grüsse wünschen

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Mirjam und Bella

Low Level Laser Therapie – Wundermittel oder Humbug?

10.05.2020

Mein Verhältnis zur Lasertherapie

Ja, ich bin Skeptiker und ja ich bin in gewisser Hinsicht Perfektionist. Es hat mir den Einstieg in die physikalischen Therapien schwer gemacht, dass ich da nicht genau sehe und verstehe was geschieht. Ich habe in der Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin zwar die Anwendung und die mutmasslich theoretische Wirkungsweise des Therapielasers gelernt, bin aber bei der erweiterten Recherche bald auch auf kritische Artikel gestossen. 

Erschwerend  kommt dazu, dass ich die Lasergeräte der Klasse 4, worauf ich ausgebildet worden bin, in der Schweiz nicht erwerben oder einsetzen darf. Das dürfen bei uns nur Tierärzte. Die meisten in der Lasertherapie praktizierenden Ärzte betreiben ebenfalls Laser der Klasse 4. Also muss ich für mich nicht nur die Frage beantworten ob Therapielaser generell wirksam sind. Sondern mich interessiert speziell, ob auch niedrigdosierte Laser (LLLT) in der physiotherapeutischen Behandlung einen Mehrwert bieten. 

In einem ersten Schritt versuche ich zusammenzutragen was in etwa der aktuelle Forschungsstand ist. Weil ein grossteil der aktuellen Forschungsarbeit in den USA und in Brasilien stattfindet sind leider alle etwas umfangreicheren Unterlagen die ich zum Thema gefunden habe in englisch.

Wo steht die Forschung?

Der folgende Abschnitt beinhaltet eine kritische Analyse der bisher getätigten Studien, zusammengetragen von einer Forschungsgruppe verschiedener amerikanischer Universitäten und veröffentlicht im Jahr 2012.

Die Lowlevellasertherapie (mit einem HeNe Laser mit 680nm) entdeckt in den 1960er Jahren hat das Potential die Wundheilung zu beschleunigen, schmerzen zu lindern und entzündungshemmend und abschwellend zu wirken. Erste Tests zeigen die Verbesserung des Fellwachstums von rasierten Mäusen und verbesserte Wundheilung bei Mäusen. Dann wird es testhalber bei diabetischen Beingeschwüren angewendet und für wirksam befunden danach folgen erste Studien, aber mit kontroversen Resultaten.

Es gibt drei Hauptanwendungen von LLLT:

  1. Endzündungshemmende und abschwellende Wirkung bei chronischen Gelenkserkrankungen
  2. Beschleunigung von Wundheilung und Nervenregeneration
  3. Behandlung von neurologischen Störungen und Schmerzzuständen

Relativ früh konnte gezeigt werden dass eine höhere Lichtdosis nicht automatisch besser ist. Offenbar gibt es ein »Dosisfenster» in dem die gewünschten Effekte eintreten. Eine zu tiefe Dosierung hat keinen Effekt und eine zu hohe Dosierung kann sich sogar nachteilig auswirken.

Wie LLLT biochemisch genau wirkt ist bis heute nicht abschliessend erklärt. Es besteht aber die starke Vermutung dass die Photonen die ATP Produktion in den Mitochondrien anregen, dass sie Oxidativen Stress regulieren, und Proteine wie Transkriptionsfaktoren freisetzen.

Früher war man der Überzeugung dass das Licht dazu zwingend aus einer Laserquelle kommen muss. Heuten finden vermehrt auch LED Lichtquellen therapeutische Anwendung. Bis anhin konnte nicht bewiesen werden ob es einen Unterschied in der Wirkung gibt und falls ja ob der Grund dafür die stärkere Streuung oder das breitere Lichtspektrum des LED-Lichts ist.

Kürzere Wellenlängen von 600-700nm werden für Wundbehandlungen verwendet und längere Wellenlängen von 780-950nm für tieferliegende Probleme. Für den Bereich von 700-770nm wurde herausgefunden dass er nur wenig Biochemische Aktivität hervorruft, weshalb er nicht verwendet wird.

Die bislang durchgeführten klinischen Studien bestätigen oder dementieren eine Wirksamkeit der LLLT etwa zu gleichen Teilen. Die analysierten Studien sind übersichtlich in einer Tabelle zusammengestellt. 

Also alles Humbug?

Nach der doch recht ernüchternden Studienlage wieder etwas Mut gemacht, hat mir ein Artikel von Kendric C. Smith einem Professor der Stanford University (2005). Er begründet die widersprüchlichen Aussagen der wissenschaftlichen Studien damit, dass die Mediziner sich zu wenig mit den Grundsätzen von Photobiologie und Photochemie auseinandersetzen würden.

In zu vielen Studien sei weder beachtet noch dokumentiert worden welche Wellenlänge das applizierte Licht hatte, in welcher Intensität es ausgestrahlt wurde und wie Lange das Gewebe dem Licht ausgesetzt worden ist. Dabei sei es auch total irrelevant aus welcher Lichtquelle die entsprechende Wellenlänge und Intensität stamme da die Photonen letztenendes immer die gleichen sind. Durch die schlechte Dokumentation der Studien und dadurch dass unter zu vielen unterschiedlichen Titeln geforscht wird sei es kaum möglich zu schlüssigen Resultaten zu kommen.

Er spricht auch noch einen weiteren Punkt an, den ich davor schon gelesen habe und der für mich plausibel ist. Und zwar, dass Phototherapie nur dann eine positive Wirkung haben kann, wenn dem Gewebe etwas fehlt. Er erklärt es mit der Analogie von den Vitaminen. Nur wenn ein Vitamin fehlt bringe eine Supplementation etwas. Ansonsten sei eine Zufuhr des Vitamins wirkungslos.

Seine Aussagen decken sich sehr gut mit weiteren Quellen, die den Forschungsstand in der LLLT untersucht haben. Auch die kommen zum Schluss, dass Studien, die die Phototherapie für unwirksam befinden nach heutigem Verständnis durchwegs unterdosiert oder ein unpassendes Lichtspektrum gewählt haben. Die World Association for Laser Therapy (WALT) gibt für den Humanbereich Dosierungsempfehlungen von i.d.R ca. 10 Joule pro Quadratzentimeter an, je nach dem wie tief das Problem liegt und wie gut es lokalisierbar ist. Die Tabelle findet sich auch auf der Seite Physiosupport.org, die zu ähnlichen Begründungen und Schlüssen kommt wie Kendric C. Smith.

Und nun?

Mittlerweile sehe ich in etwa wo das Problem für die Forschung liegt. Man hat sich in der Vergangenheit nie darauf geeinigt, welche Wellenlänge mit welcher Energiedichte in welcher Dosierung und in welcher Häufigkeit, an welcher Fragestellung getestet werden soll. Das resultierende Sammelsurium aus Versuchen hat keine Aussagekraft mehr. Deshalb bleibt eigentlich nichts anderes als zwei Schritte zurückzugehen und mit klaren Parametern auf Zellebene die Forschung wieder aufzunehmen.

Hier steht man im Jahr 2017

Ein Artikel aus einer Zusammenarbeit von Photomedizin und Dermatologie von Harvard aus dem Jahr 2017 geht auf die Erkenntnisse aus den letzten Jahren ein.

Etwas was für mich daraus neu war ist, dass offenbar nicht nur die Lichtdosis sondern auch die Lichtleistung (W/cm2) eine grosse Auswirkung hat. Je nach Gewebe lag für die untersuchten Themen die optimale Lichtleistung bei 0.8, bei 5 und bei 8 mW/cm2.. Auch diese Forschergruppe kommt zur Erkenntnis, dass die benötigte Lichtdosis sehr gering ist und teilweise unter 1 J/cm2 liegt. Und offenbar ist eine Überdosierung teilweise bereits mit 16 J/cm2 erreicht. Auch an der idealen Anwendungshäufigkeit wurde geforscht eine Untersuchung kam zum Schluss, dass zwei Behandlungen am Tag nur einer Behandlung, aber auch vier Behandlungen von der Wirkung her überlegen sind.

Die weiter erklärten biochemischen Vorgänge sind zu komplex als dass ich sie alle verstehen würde oder gar fähig wäre sie zu übersetzen. Aber es wird ersichtlich, dass viele Erkentnisse über Photobiomodulation (PBM) auf Zellebene für die Forschung bereits reproduzierbar und nachvollziehbar sind. Dadurch lässt sich nun z.B. auch die Entzündungshemmende Wirkung von PBM erklären.

Verschiedene Zelltypen können ihre Vermehrungsrate unter Einfluss von PBM steigern. Diese Erkenntnis stützt die Theorie der verbesserten Wundheilung. Es ist aber so, dass nicht jeder Zelltyp auf die gleiche Wellenlänge mit einer verbesserten Zellteilung reagiert. Für Fibroblasten hat sich 632nm als ideale Wällenlänge erwiesen. Es konnte auch beobachtet werden, dass Osteoblasten unter dem Einfluss von PBM in einem Bereich von 600-1000nm eine verbesserte Zellteilung aufweisen. Auch eine Verbesserung konnte bei der Neuausrichtung von Sehnengewebe bei Ratten nach einer PBM mit 660nm beobachtet werden. Melanozyten lassen sich v.a. mit blauem Licht stimulieren und Nervengewebe reagiert wiederum auf eine Wellenlänge von 780nm.

Bei Muskelzellen ist es offenbar so, dass die maximale Wirksamkeit der PBM nach 3-6h eintritt und auch 24h nach der Bahandlung noch Unterschiede zu unbehandelter Muskulatur nachgewiesen werden können. Die Synthese von Kreatinkinase wird nachweislich verbessert damit kann der Muskel schneller ATP bereitstellen, hat also mehr Energie zur Verfügung. Diese Effekte konnten nach Versuchen auf Zellebene auch bereits an Lebewesen bestätigt werden.

Die Schmerzstillende Wirkung von PBM wurde noch etwas breiter untersucht. Dass PBM schmerzstillend wirkt konnte verschiedentlich gezeigt werden. Je nach verabreichter Lichtdosis überwiegen aber vermutlich andere Wirkungsmechanismen. Während schwach und niedrigdosiert die Gefässerweiterung, Mehrdurchblutung und Entzündungshemmung durch verstärkte Immunabwehr im Vordergrund stehen scheint stärkere Strahlung in höherer Dosis auch die Nervenreizleitung zu unterbinden.

Es wird nicht angenommen, dass PBM direkt die Knochenneubildung fördert. Allerdings ist durchaus denkbar, dass im umliegenden Gewebe und bei den Osteoblasten günstige Voraussetzungen für eine beschleunigte Heilung geschaffen werden.

Für eine ideale Wundheilung ist das Verhältnis zwischen Oxidantien und Antioxidantien von Bedeutung. Die Theorie besagt, dass eine ideal verlaufende Wundheilung nicht weiter beschleunigt werden kann, dass PBM sich aber bei einem Ungleichgewicht regulierend auswirkt und damit in dem Fall die Wundheilung vorantreibt.

Zusammenfassend:

Licht im Bereich rot bis NIR interagiert mit Zellen auf molekularer Ebene, auf zellulärer Ebene und auf Gewebsebene. Jedes Gewebe reagiert dabei unterschiedlich. Klar ist, dass die Lichtenergie in erster Linie von den Mitochondrien absorbiert wird. Vermutlich basieren sämtliche Wirkungsweisen mehr oder weniger auf dem Einfluss von PBM auf die Zellatmung. Die genauen Abläufe sind aber noch unbekannt.

Mögliche Anwendungsgebiete für PBM gibt es viele. Die vier verbreitetsten sind:

  1. Die Applikation von Licht auf Wunden zum verbessern der Wundheilung und der Reduktion von Entzündung
  2. Die Applikation von Licht auf Nerven zur Schmerzlinderung
  3. Die Applikation von Licht auf Lymphknoten um auf Ödeme und Entzündungen einzuwirken
  4. Die Applikation von Licht auf muskuläre Triggerpunkte um den Muskeltonus zu normalisieren

Der grosse Vorteil von Lasertherapie ist, dass sie Nebenwirkungsfrei ist. Speziell für Tiere mit einer Vorschädigungen von Leber oder Niere (welche den Einsatz von NSAID’s verhindert) und bei Spritzenphobien ist sie deshalb als Behandlungsmethode ideal.

Ob die Behandlung erfolgreich ist, hängt entscheidend davon ab mit welchen Parametern behandelt wird. Problematisch ist, dass es aufgrund der vielen unterschiedlichen Lichtquellen und Krankheitsbilder für flächendeckende und verlässliche Empfehlungen noch zu wenig gute Studien gibt.

Mein Fazit aus den ganzen Lektüren:

Meine Neugierde ist geweckt. Auch wenn es aktuell keine Beweise gibt, auch wenn es aktuell keine allgemein gültigen Behandlungsschemata gibt, auch wenn jeder Therapeut und jeder Gerätehersteller wieder anders interpretiert und argumentiert. 

Einige Punkte aus der Literaturrecherche finde ich speziell spannend:

  • Stärker muss nicht besser sein. Hier stellt sich für mich die Frage ob dann PBM mit niedrig dosierten Lichtquellen den teuren K4 Lasern tatsächlich in jeder Hinsicht unterlegen ist? Oder ob das nur für gewisse Anwendungsformen gilt?
  • Es gibt nicht DIE richtige Wellenlänge und nicht DIE richtige Lichtdosis. Also gibt es vermutlich auch nicht DEN richtigen Laser, sondern das muss Anwendungsabhängig betrachtet werden.
  • Der 2x tägliche Einsatz ist unter Umständen die ideale Anwendungsform. Das könnte ein Vorteil für die Heimgeräte sein.
  • Ob Laser oder LED spielt keine Rolle. Das ist insofern spannend, als dass LED Geräte günstiger sind, weniger Verletzungsrisiko bergen und keinen Restriktionen unterliegen.
Ich bin der Ansicht dass mir die Forschung genügend Gründe liefert um an der Sache dranzubleiben. 

Von der Theorie in die Praxis

Ganz nach dem Motto „nützt es nicht, so schadet es auch nicht“ werde ich deshalb unter dem Titel „Therapielaser Testwochen im Juni“ in den nächsten Wochen drei verschiedene Systeme an ausgewählten Patienten testen. 

Informationen dazu folgen demnächst unter Aktuelles, oder können bei konkretem Interesse vorgängig als e-Mail angefordert werden.

HWS-Arthrose beim gerittenen Pferd: Wie weiter?

11.04.2020

Arthroseformen und ihre Symptomatik

Veränderungen an der Halswirbelsäule sind bei Reitpferden weit verbreitet. Eine Studie von US-amerikanischen Forscher um Dr. Kevin Haussler, an der Universität Colorado hat festgestellt dass von 56 obduzierten Pferden 72% knöcherne Veränderungen zwischen dem zweiten Halswirbel und dem dritten Brustwirbel aufwiesen, obwohl alle untersuchten Pferde aus andern Gründen verstorben waren. Im Umkehrschluss heisst das, dass nicht jeder Befund an den Halswirbeln auch von Symptomen begleitet sein muss. Gemäss Anton Fürst der Uni Zürich treten die Meisten Veränderungen zwischen dem fünften, sechsten und siebten Halswirbel und sowohl ein-, wie auch beidseitig auf. Männliche Tiere sind überdurchschnittlich oft betroffen. Ebenso grosse Tiere mit langem Hals. Die Ursache dafür ist aber unbekannt.

Ist die HWS-Arthrose tatsächlich der Grund für Beschwerden, können diese von lediglich einer schlechteren Halsbiegung über Widersetzlichkeit bei Zügelanlehnung und engen Wendungen bis hin zu Lahmheit oder unkontrolliertem Stolpern mit Sturzfolge reichen. Die Einengung des Wirbelkanals kann auch an der Hinterhand zu Muskelschwäche und Ataxien führen. Auch Knieprobleme wie subklinische Fixation und Subluxation der Patella können gemäss A. Fürst ihre Ursache in der Halswirbelsäule haben. Wie stark die Symptome einer HWS-Arthrose sind hängt im wesentlichen davon ab, wo sich die Arthrose genau befindet, wie stark ausgeprägt und wie aktiv sie gerade ist.

Während arthrotische Veränderungen an der Wirbelaussenseite, also an Muskelansätzen und den Facettengelenken i.d.R. «nur» Schmerzen und Versteifungen verursachen, kann Arthrose in den Zwischenwirbelgelenken den Wirbelkanal mit den Spinalnerven so weit einengen, dass es zu Gefühlsstörungen und Ausfällen der Muskelaktivität kommt. Diese neurologischen Symptome laufen unter dem Begriff Spinale Ataxie, CVSM (cervical vertebral stenotic myelopathy) oder auch Wobbler Syndrom

Diagnostik

Auf Röntgenbildern ist eine HWS-Arthrose eine Fehlbildung der Halswirbel (CVM) oder die Einengung des Wirbelkanals (CVSM) oft nicht klar zu erkennen zu diesem Schluss kommt auch die Doktorarbeit von M. S. Engel (Uni München 2010), die allerdings nur das Röntgen von der Seite beurteilt. Immer schwer zu beurteilen ist auch, ob ggf. im Röntgenbild detektierte, deformierte Wirbelsegmente tatsächlich Probleme machen.

Eine Szintigraphie ist aussagekräftiger, aber auch teurer. Dabei wird sichtbar ob in einem Wirbelsegment oder auch sonst wo im Körper eine aktive Entzündung vorliegt, welche auftretende Symptome erklärt. Gemäss Berg et al. (2003) sind knöcherne Zubildungen an den Facettengelenken auch mit diagnostischem Ultraschall gut zu erkennen. Dabei bedarf es aber eines spezialisierten Operateurs. Die Myelographie ist zur Diagnostik zwar gut geeignet, kommt aber wegen der Vollnarkose und da sie nicht ganz Risikofrei ist, eher selten zum tragen.

Ursachen

Mögliche Ursachen für eine HWS-Arthrose gibt es viele. Von der erblichen Vorbelastung durch die Elterntiere über den dummen Sturz auf der Fohlenweide, bis hin zu körperlicher Überbelastung im Training. Aber auch eine ungünstige Körperhaltung durch dauerhafte Fehlhaltung beim Fressen oder eine unsachgemässe Hufbearbeitung sind denkbar. Ebenfalls nicht abschliessend nachgewiesen aber denkbar ist der Einfluss von der Ernährung des Jungpferds. Ein Nährstoffüberschuss führt zu einem zu schnellen Knochenwachstum und dabei steigt die Gefahr von Gelenkmissbildungen und Knorpelversorgungsstörungen wie OCD. Gemäss Dr. Anton Fürst der Uni Zürich wurde zwar wissenschaftlich untersucht, aber bislang nicht nachgewiesen, dass stark belastende Trainingsmethoden wie die Rollkur das Arthroserisiko in der Halswirbelsäule tatsächlich erhöhen. 

Arthrose zwischen Entzündungsschub und «Schlummerphase»

Typisch für das Krankheitsbild der Arthrose ist der Wechsel zwischen guten und schlechten Phasen. In einer guten Phase ist die Arthrose entzündungsfrei und es ist i.d.R. schmerzfreie Bewegung möglich. In schlechten Phasen kommt es z.B. durch Reibung zwischen Knochenspitzen zu schmerzhaften Entzündungen, die das umliegende Gewebe anschwellen lassen und sich so über Faszien, Sehnen, Muskeln und Bänder weit über das direkte Arthrosegebiet hinaus auswirken.

Eine solche Gelenksentzündung (Arthritis) hört dann wieder auf, wenn sie a) therapeutisch behandelt wird, b) genügend lange in Ruhe ist oder c) der Gelenksabschnitt voll verknöchert ist und keine Reizung durch Bewegung mehr möglich ist. Die Verknöcherung bringt aber i.d.R. keine endgültige Linderung weil danach oft angrenzende Wirbelsegmente überbelastet sind und sich mittelfristig an neuen Stellen eine Arthrose ausbildet.

Auch typisch für arthrothische Erkrankungen ist, dass die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke nach einer Ruhephase schlechter ist und sich nach einer Aufwärmzeit von 15-20 min verbessert wenn sich die Gelenkflüssigkeit besser im Gelenk verteilt hat. Hier ist auch von «Anlaufschmerz» die Rede.

Medikamentöse und Chirurgische Therapie

Das Hauptaugenmerk muss immer darauf liegen, dass die aktive Entzündung gestoppt wird.

Dies geschieht i.d.R. durch verordnete Ruhe, systemisch verabreichte Entzündungshemmer und lokal gespritztes Kortison und Hyaluronsäure. Dabei weist die Doktorarbeit von J. Plassmann (Uni Zürich 2007) aus, dass nach dem Spritzen der Facettengeleke 50% der Fälle symptomfrei sind und 80% eine Verbesserung der Symptome erfahren. Bei 11 von 50 Pferden kam es nach ersten Verbesserungen allerdings zu einem Rückfall.

Neuerdings kommen öfters auch Eigenblutanwendungen wie PRP und IRAP zum Einsatz über Nachweise zu deren Wirksamkeit konnte ich aber nicht viel finden.

Während Arthrosen an den Facettengelenken eine recht gute Prognose haben, war Arthrose im Zwischenwirbelbereich mit neurologischen Ausfällen noch bis vor kurzem für viele Pferde das Todesurteil. Ein Grosspferd, welches seine Gliedmassen nicht abschliessend unter Kontrolle hat ist im Umgang schlichtweg zu gefährlich.

Offenbar gibt es mittlerweile aber Chirurgen, die HWS Arthrosen operieren. Die Erfolgschancen sind umso besser je kürzer die neurologischen Probleme bereits bestehen (Grant et al. 1985, Reed 2005) .  Die registrierten Verbesserungen liegen für 80% der Fälle bei einem Ataxiegrad* und bei 50% der Fälle um zwei Grade. Bis zur vollständigen Regeneration der komprimierten Nerven, kann es allerdings bis zu einem Jahr dauern.

Die OP Methode der Wahl ist dabei offenbar die Gelenkversteifung.

Konservative Therapie und Futterzusätze

In meinen Augen empfiehlt es sich so oder so erst über den Tierarzt eine Kur mit Entzündungshemmern zu versuchen und 1-2x mit Kortison anzuspritzen. Wenn das jedoch nicht anschlägt, sind weitere Möglichkeiten:

  • Lymphdrainage
  • Kombination von Massage, Dehnungen und passiver Mobilisation (durch Therapeut)
  • Aktive Trainingstherapie
  • Koordinative Gangschulung, Arbeit mit Körperbändern
  • Gewichtsreduktion (wegen dem Einfluss von übermässigem Körperfett auf entzündliche Vorgänge)
  • Medizinische Blutegel
  • Lasertherapie (je nach betroffenem Wirbelsegment)
  • Elektrotherapie
  • Wärmetherapie (z.B. Solarium)
  • Akupunktur
  • Phytotherapie (Teufelskralle, Ingwer…)
  • Knorpelaufbaupräparate auf Basis von Glukosamin, Chondroitin und Hyaluronsäure
  • MSM
  • Omega 3 + 6 Fettsäuren
  • Vitamine des B Komplexes

Trainingsmöglichkeiten trotz Befund HWS-Arthrose

Bei Reitpferden mit Befund HWS-Arthrose sind enge Biegungen von Hals und Genick zu vermeiden. Damit fallen enge Volten und Wendungen sowie das Longieren auf kleinen Zirkeln und meines Erachtens auch die Equikinetik (dazu gehen die Meinungen auseinander) aus dem Trainingsplan weg.

Je nach schwere der Symptome und in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt und/oder Therapeuten sind nach der Akutphase folgende Trainingsvariationen möglich:

  • Isometrisches Training
  • Arbeit mit Körperbändern
  • Gehen auf unebenen Untergründen
  • Methoden der Dualaktivierung wie etwa die Fahnenarbeit
  • Laufband / Unterwasserlaufband
  • Stangenarbeit
  • Bergauf / Bergab / Schräghänge
  • Balancepads
  • Gangwechsel
  • Zirzensik z.B. Übungen mit Podest

Prognose

Welche Chancen ein HWS-Arthrosepferd hat ist sehr individuell und hängt in hohem Mass von den Ansprüchen des Besitzers und aber auch vom Urteil der beigezogenen Tierärzte ab. Wenn ein Tierarzt mit dem Urteil «einschläfern» kommt ohne dass zuerst versucht wird ein abklingen der Entzündung zu erreichen, dann empfehle ich eine Zweitmeinung von einem spezialisierten Orthopäden. Natürlich vorausgesetzt, dass das Pferd nicht in einem lebensbedrohlichen oder derart schlechten Zustand ist, dass das Abwarten von einigen Wochen als Quälerei angesehen werden muss.

Generell kann gesagt werden, dass die Schwere der Symptome den Ausschlag über die Chancen des Tieres gibt und nicht das Röntgenbild. Und auch, dass die Symptomatik nach abklingen der akuten Entzündung in der Regel deutlich milder ist und teilweise auch ganz verschwindet.

Es kann also sein, dass ein Pferd in der «arthrotischen Schlummerphase» beschwerdefrei geritten werden kann oder zumindest ohne Reitergewicht beschwerdefrei ist. Es kann auch sein, dass mit gutem Muskelaufbau, schonender Reitweise, therapeutischer Begleitung und Futterzusätzen die Arthrose dauerhaft in Schach gehalten werden kann.

Es kann leider aber auch sein, dass irgendwann ein neuer entzündlicher Schub kommt und das Pferd zu einem späteren Zeitpunkt doch unreitbar wird…

Ich finde es sinnvoll, dass sich der Pferdebesitzer unabhängig vom Heilungsverlauf folgende Fragen stellt: Muss das Pferd auf wettkampflevel Dressur oder im Springsport gehen? Ist auch eine reine Freizeitnutzung ein Thema? Hat das Pferd eine Perspektive als Beisteller oder in der Bodenarbeit? Wenn der behandelnde Tierarzt diese Ausgangslage kennt, kann er auch eine ehrliche Empfehlung dazu abgeben, wie weit es Sinn macht Diagnostik und Therapie weiterzuführen.

Weil es bei der HWS-Arthrose oft schon junge Pferde trifft, kommt manch ein Stutenbesitzer auf die Idee  noch Fohlen zu ziehen. Wenn man die Einschätzung von Dr. Anton Fürst der Uni Zürich teilt, dass die Häufung von HWS-Problematiken nicht zuletzt auf mangelhafte Zuchtauswahl zurückzuführen ist, muss man davon allerdings entschieden abraten.

*Erläuterung des Ataxiegrad nach Böhm (1977)

Generelle Ataxiesymptome sind: kurzes Nachschleifen der Hufe, tapende Fussung, vorne stolpern und übertriebenes vorschwingen des Beins, hinten übertriebene Add- oder Abduktion oder auffälliges anwinkeln der Gliedmasse.

Grad 1: geringgradige Bewegungsstörung

  • Symptome bei kurzen Wendungen und Schrittwechseln deutlich
  • Rückwärtsrichten und Trab sind möglich
  • Gangbild ist leicht wiegend bis schwankend

Grad 2: mittelgradige Bewegungsstörung

  • Symptome bereits beim Geradeausrichten, unregelmässige Schrittfolge
  • Trab noch möglich, Rückwärtsrichten kaum möglich
  • Gangbild ist schwankend

Grad 3: hochgradige Bewegungsstörung

  • Starke Symptome und stark unregelmässige Schrittfolge im Schritt
  • Trab nicht oder nur kurz und Rückwärtsrichten nicht mehr möglich
  • Gangbild ist schwankend bis torkelnd

Die GELENKGESUNDHEIT beim wachsenden HUND unterstützen

20.03.2020

Problematik

Jede Hunderasse kennt rassetypische Krankheitsbilder. Einige davon betreffen den Bewegungsapparat und die Gelenke. Da ein Hund aber je nach Rasse erst mit 1-2 Jahren ausgewachsen ist, kommt er i.d.R. in sein neues Zuhause bevor abschliessend klar ist, ob der Hund gesunde Gelenke hat oder nicht. Die Genetik ist nur ein Puzzleteil ist, welches passen kann oder nicht. Weiter entscheidend für die Gelenkgesundheit sind die Fütterung und die Bewegung/Belastung die der Hund bekommt, während sein Skelett und seine Muskulatur im Wachstum sind. Das heisst, dass es möglich ist, dass ein gesunder Welpe durch fehlerhafte Fütterung und zu hohe Belastung bereits als Junghund Gelenkschäden hat. Das heisst aber auch dass bei einem Welpen aus schlechter Zucht teilweise durch gute Fütterung (nicht zuviel Futter und nicht zuviel Kalzium) und sorgfältiges auftrainieren von Muskulatur die Gelenke trotzdem stabil und gesund werden können. Entscheidend dafür ist, was in den ersten 1-2 Lebensjahren des Hundes passiert.

Herby im Alter von 4.5 Monaten

Herby habe ich im noch während meiner Ausbildung zur Tierphysiotherapeutin im Tierheim kennengelernt. Er wurde mir vorgestellt weil seinen Pflegerinnen aufgefallen war, dass er komisch läuft und sich deshalb an den Hinterläufen auch die Pfotenballen aufgeraspelt hat.

Herby’s Gangbild war sehr auffällig. Stark ausgedrehte Hinterbeine, ein wackeliger Watschelgang aus der Hüfte und ein auffälliges in den Boden reinstapfen mit den Hinterpfoten. Dazu kam teilweise noch eine leichte Lahmheit aufgrund seiner aufgerissenen Pfotenballen hinten links. Als Physioneuling hatte ich noch kaum Erfahrungswerte und konnte das Gangbild einzig mit Herbys gleichaltrigem Halbbruder vergleichen, der deutlich stabiler unterwegs war. Deshalb hab ich mir Hilfe bei meinen Dozentinnen geholt. Das Fazit daraus war: Für ein Schäferhund von 4.5 Monaten ist das Gangbild nicht super aussergewöhnlich, ABER es bestehe dennoch dringender Handlungsbedarf um nicht zu riskieren dass sich durch das ganze „Gewackel“ Schäden an den Hüftgelenken ergeben. Denn Hüftdysplasie ist eine der rassetypischen Krankheiten des Weissen Schweizer Schäferhundes und Herby als Tierheimhund mit Sicherheit nicht aus einer besonders seriösen Zucht.

Getroffene Massnahmen

Im Fall von Herby haben wir folgende Sofortmassnahmen besprochen und umgesetzt:

  • Futtermittel auf Ca/P Verhältnis prüfen
  • Futtermenge am untersten Limit halten
  • Koordinationstraining mit Cavalettistangen
  • Krafttraining mit statischen Gleichgewichtsübungen
  • Verzicht auf Frühkastration
Die Gründe dafür: 
  • Ein Junghund kann im Gegensatz zum erwachsenen Hund überschüssiges Kalzium offenbar nicht ausscheiden. Ein Kalzium Überschuss kann dazu führen, dass die Knochenschicht unter dem Gelenkknorpel so dick wird, dass die Ernärung des Knorpels nicht mehr funktioniert und ganze Knorpelstücke absterben (OCD).
  • Ein Junghund der mehr Nährstoffe zur Verfügung hat, wächst schneller. Das Skelett entwickelt sich dabei zuerst und Muskeln, Sehnen und Bänder hinken etwas hinterher. Es kommt deshalb zu einer Phase in der die Gelenke nur schlecht stabilisiert und anfälliger auf Überbelastungen und Verletzungen sind. Ausserdem ist bei einem schnellwachsenden Skelett die Gefahr grösser, dass parallel verlaufende Knochen wie Elle und Speiche im Unterarm unterschiedlich schnell wachsen. So kann es zu Stufen oder Verdrehungen zwischen den Unterarmknochen kommen. Der Zweite Faktor dabei ist das Gewicht. Junghunde sind ungestüm und je weniger Gewicht beim Herumtoben auf die Gelenke einwirkt umso geringer ist auch das Risiko dass dabei Schäden entstehen. Die Angst dass der Hund wegen Futtermangel klein bleibt ist unbegründet. Es gibt Studien, die beweisen dass die Endgrösse des Hundes genetisch festgelegt ist und die Futtermenge nur mit entscheidet wie schnell er diese Endgrösse erreicht.
  • Mit Koordinationsübungen können wir dem Hund helfen ein besseres Gefühl für seinen Körper und seine Gliedmassen zu bekommen. Wenn er in kontrolierten Übungen lernt Distanzen abzuschätzen und seine Beine sauber zu positionieren läuft er weniger in Gefahr dass er sich bei einem „Missgeschick“ verletzt.
  • Muskeln sind die Lebensversicherung für instabile Gelenke. Heute ist es im Humanbereich normal, dass gerissene Bänder am Fussgelenk nicht mehr operiert, sondern die umliegenden Muskeln auftrainiert werden. Die Hinterbeine des Hundes sind über lange kräftige Muskeln am Rumpf befestigt und wenn diese Muskeln genügend Kraft und Spannung aufweisen können Sie im Extremfall das Bein sogar dann in seiner Sollposition halten, wenn gar kein Hüftgelenk mehr da ist.
  • Auch beim Verzicht auf eine Frühkastration gibt es zwei Aspekte. Zum einen ist wissenschaftlich belegt, dass sich die Wachstumsfugen von kastrierten Hunden aufgrund der fehlenden Sexualhormone später schliessen als bei intakten Hunden. Dadurch werden die grossen Röhrenknochen länger und die Biomechanik des Hundes verändert sich. Damit einher geht ein etwas grösseres Risiko für HD und Kreuzbandrisse. Der zweite Aspekt ist die Muskelentwicklung die speziell beim unkastierten Rüden durch den Testosteroneinfluss besser ist. Und da die Muskulatur die Gelenke stützt und schützt, möchten wir möglichst viel davon haben. Ich empfehle deshalb bei Hunden die im Wachstum instabile Gelenke haben oft, mit einer allfälligen Kastration zu warten bis der Hund ausgewachsen ist.
Mehr über die Dynamik von Ernährung und Bewegung des Hundes im Wachstum findet sich in den beiden Artikeln von Dr. med. Vet. Daniel Koch, die auf der rechten Seite verlinkt sind.

Trainingserfolge und Herby heute

Herby hatte das grosse Glück, dass bald klar war, dass er bei seiner Pflegerin würde bleiben dürfen. Die beiden haben direkt nach der ersten Instruktion mit Cavalettitraining angefangen und in der zweiten Woche nahmen wir den Peanutball dazu, auf dem sich Herby mit den Vorderpfoten aufgestützt und die Position während einigen Sekunden ausbalanciert hat. Die Trainingseinheiten waren zu Beginn nie länger als 10 Minuten und doch war nach zwei Wochen die Muskulatur im linken Hinterbein schon deutlich kräftiger und auf dieser Seite ist er nun auch gerade aufgetreten während dem das rechte Hinterbein noch immer etwas herumgewackelt hat. 

Nun war unser Hauptaugenmerk der, dass das zweite Bein mitkommt. Damit dass wir das stärkere linke Bein regelmässig mit Massagen gelockert haben, dass die Muskulatur nicht zu fest wird und viel mit Gleichgewichtsübungen gearbeitet haben, für die es zwingend beide Hinterbeine braucht, hat sich der Erfolg langsam eingestellt. Nun wurden auch allgemeine Kräftigungsübungen wie etwa das Häschen in den Trainingsplan integriert. Das Kriechen nutzten wir um die Hinterbeine weiter koordinativ zu fordern. Nach 2.5 Monaten gingen wir dazu über auch dynamische Kraftübungen wie etwa den Wechsel zwischen Sitz und Steh oder Sitz und Aufstützen einzubauen. Erst wenn Herby sich maximal anstrengen musste, hat er das schwächere rechte Hinterbein sauber belastet. Nach und nach wurde das Ungleichgewicht aber kleiner.

Als Herbys Besitzerin das Tierheim nach bestandener LAP verliess, sah ich Herby längere Zeit nicht mehr. Umso mehr freute ich mich, als ich eine ganze Weile später sein Instagramprofil entdeckt und gesehen habe wie toll er sich entwickelt hat und was für ein fitter, schlanker, hübscher und gut gelaunter Hund er heute ist :-)! 

Auch wenn nie ganz klar ist, welchen Einfluss die therapeutischen Massnahmen an einer Entwicklung letztenendes gehabt haben.. Ich bin happy mit dem Resultat und stolz durfte ich meinen Beitrag dazu leisten.

BLUTEGEL: Kleine Tiere, grosse Wirkung

06.03.2020

Der geschichtliche Hintergrund

Die Blutegeltherapie ist in der Humanmedizin bereits seit Jahrtausenden bekannt und weltweit verbreitet. 1884 wurden die ersten Wirkstoffe entschlüsselt und dokumentiert. Aber erst nach 1970 konnte pharmazeutisch bewiesen werden dass und wie einige der Wirkstoffe funktionieren. In Deutschland ist der Blutegel seit 2008 ein Arzneimittel. In der Schweiz ist er das nicht und untersteht deshalb auch nicht dem Arzneimittelgesetz. Therapeutisch eingesetzt wird der Hirudo medicinalis der eigens dafür gezüchtet und aufgezogen wird. Damit ist auch ausgeschlossen dass der Blutegel Krankheiten übertragen kann. Die bekannteste Zuchtanlage ist die Biberthaler Blutegelzucht in Deutschland.

Wo und wann können Blutegel helfen?

Pferde, Huf- und Klauentiere

  • Arthritis / Arthrose (z.B. Schale, Spat)
  • Huf- / Klauenerkrankungen (z.B. Hufrehe, Mortellaro, Hornfäule, Hufkrebs)
  • Erkrankungen des Bänder- und Sehnenapparates (Sehnen- Sehnenscheiden- und Fesselträgerentzündungen, Kreuzbandbeschwerden, Patellaluxation)
  • Gallen (auch Piephacke, Nackenbeule etc.)
  • Hufrollenproblematiken (Podotrochleose und -itis)
  • Wirbelsäulenerkrankungen (Spondylose, Kissing Spines)
  • Ataxien (Bewegungskoordinationsstörungen)
  • Lumbago (Kreuzverschlag)
  • Myalgien und Myogelosen (Muskelschmerz und -verklebungen)
  • Druckstellen (Sattel- oder Geschirrdruck)
  • Ekzeme (z.B. Sommerekzem, Mauke)
  • Phlegmone (Einschuss), Abszesse
  • Mastitis (Euterentzündungen)
  • Wundheilungsstörungen
  • Narbenprobleme (auch post-OP)
  • Hämatome (Blutergüsse)
  • Venenerkrankungen (Thrombose, Trhombophlebitis)
  • Lymphangitis
  • Zahn- und Kiefererkrankungen

Hunde, Katzen, Nagetiere

  • Gelenkfehlbildungen (Dysplasien wie HD, ED)
  • Erkrankungen des Bänder- und Sehnenapparates
  • Wirbelsäulenerkrankungen (Spondylose, Diskopathien, Cauda Equina, Keilwirbel etc.)
  • Nervenreizungen und -entzündungen (z.B. Ischialgie)
  • Lumbago
  • Myalgien und Myogelosen (Muskelschmerz und -verklebungen)
  • Ekzeme (Leckekzem, Ohrekzem, Zwischenzehenekzem)
  • Abszesse
  • Mastitis (Gesäugeentzündungen)
  • Wundheilungsstörungen
  • Narbenprobleme (auch post-OP)
  • Hämatome (Blutergüsse)
  • Venenerkrankungen (Thrombose, Trhombophlebitis)
  • Lymphangitis
  • Zahn- und Kiefererkrankungen

Wann werden keine Blutegel eingesetzt?

Bei einem schlechten Allgemeinzustand, bei Blutgerinnungsstörungen, wenn blutverdünnende Medikamente eingenommen werden oder welche, die das Immunsystem schwächen, bei Blutarmut, bei Magen- oder Darmgeschwüren mit Blutungsneigung, Wenn ein akuter Infekt besteht, Bei schlechten Organwerten, Wenn Allergien gegenüber Wirkstoffen der Saliva bekannt sind, bei generellen Wundheilungsstörungen oder einer Tendenz zu überschiessenden Narben (Keloid).

Blutegel unterliegen im deutschen Pferdesport den Antidopingbestimmungen und dürfen 48h vor dem Start nicht mehr eingesetzt werden. Um auf Nummer sicher zu gehen wende ich deshalb 3 Tage vor sportlichen Wettkämpfen weder bei Pferd noch Hund Blutegel an.

Wie wirkt der Biss des Blutegels?

Der Blutegel gibt vor dem eigentlichen Saugen während ca. 10 min seinen Speichel (Saliva) in die Blutbahn des Patienten ab. Die Saliva enthält eine Vielzahl von medizinisch bedeutsamen Substanzen. Einige davon kennt man, einige davon sind nach wie vor unbekannt, weshalb der Wirkstoffcocktail derzeit auch nicht künstlich nachgebildet werden kann. Hirudin und Calin wirken als Blutgerinnungshemmer und Egeline und Bdelline als Entzündungshemmer und Schmerzmittel. Der Blutegel erreicht damit dass sein Biss vom Tier unentdeckt bleibt und das Blut während dem Saugvorgang gut fliesst.

Offenbar wissen auch Tiere um die heilsamen Substanzen. So gibt es Berichte von Nutztieren und Wildtieren mit schmerzhaften Gelenkproblemen, die gezielt Gewässer aufsuchen um sich dort „behandeln“ zu lassen.

Wie läuft eine Behandlung ab?

Der Patient sollte zum Behandlungszeitpunkt nicht hungrig und versäubert sein, weil die Prozedur gerne 60-120min dauert. Die zu behandelnde Stelle soll bereits in den vorangehenden Tagen nicht mehr mit Salben, Shampoos, Fliegenspray etc. in Kontakt kommen. In einem kurzen Vorgespräch wird nochmals abgeklärt ob keine Gründe gegen die Behandlung sprechen.

Wenn der Egel angesetzt ist, beisst er entweder direkt an der erstbesten Stelle oder sucht sich den idealen Zugang. Ich habe persönlich bessere Erfahrungen damit gemacht, das Fell an der Bissstelle nicht zu rasieren.

Der Beissvorgang ist ein eigentliches „einritzen“ bei dem der Egel mit seinen Kalkzähnchen einen kleinen Mercedesstern in die Haut ritzt. Viele Tiere reagieren darauf nicht, aber bei Pferden und in Hufnähe besteht die Gefahr, dass der Egel dabei abgeschüttelt oder mit der Nase abgestreift wird. Das ist nach Möglichkeit zu verhindern.

Nach dem Beissen, gibt der Egel seinen Speichel in die Blutbahn des Tieres ab. Danach beginnt er deutlich sichtbar zu saugen was in der Regel nochmals 30-60 Minuten dauert. Viele Tiere dösen während dem Saugen vor sich hin und reagieren lediglich dann, wenn der Egel ggf. nochmals nachritzt. Wenn er satt ist, oder sich das Tier zu stark bewegt, lässt sich der Egel vom Tier runterfallen. Das ist ein Schutzmechanismus, damit der Blutegel, ein Wasserbewohner, in der Natur nicht zu weit von seinem Teich weggetragen wird.

Die Bissstelle blutet in der Regel ca. 3-6h nach. Dabei tröpfelt das Blut langsam aber stetig im Abstand von wenigen Sekunden aus der Wunde. Die Wunde darf mit einer Gaze und Heftpflaster abgedeckt werden, soll aber nicht fest verbunden werden, weil die Blutung sonst unter die Haut geht und zu einem massiven Hämatom werden kann. Die Bissstellen können während ca. einer Woche noch einen mehr oder weniger starken Juckreiz auslösen, sind aber möglichst unberührt zu belassen. 

Wann tritt die Wirkung ein, und wie lange hält sie an.

Die Schmerzlinderung setzt oft unmittelbar nach dem Biss ein und hält danach oft Wochen oder gar Monate an. Ich habe zur Schmerztherapie die besten Erfahrungen dann gemacht, wenn nach der Erstbehandlung im Abstand von 1-3 Wochen eine Nachbehandlung erfolgt. Danach warte ich ab ob die Beschwerden zurückkommen und wie lange es dauert. Einige Beschwerden verschwinden dauerhaft, andere können im Abstand von i.d.R. einigen Wochen langfristig weiterbehandelt werden. Bei Wundbehandlungen reicht oft ein einmaliger Einsatz. Es gibt aber auch Tiere und Beschwerden die auf die Blutegeltherapie nicht ansprechen.

Videobericht Landschau Baden-Württemberg

Behandlungsdokumentation 2019

7. Dezember

Joy 07.12.2019

13. Dezember vor der Behandlung

Joy 13.12.2019

22. Dezember Tag 9 nach der Behandlung

Joy 22.12.2019

KREUZBANDRISS BEIM HUND: Eine Übersicht zu möglichen physiotherapeutischen Massnahmen

26.02.2020

Der Kreuzbandriss ist auch beim Hund eine der meist verbreiteten Erkrankungen des Bewegungsapparats. In vielen Fällen wird ein Kreuzbandriss operativ versorgt, aber in nur wenigen Fällen wird nach der OP eine physiotherapeutische Betreuung verordnet.

Wenn man aber bedenkt, dass nach dem ersten Knie die Gefahr gross ist, dass aufgrund der Überbelastung in der Rehabilitationsphase auch das zweite Kreuzband reisst, macht es Sinn dem entgegen zu wirken. Ich bin auch der Meinung, dass es unsinnig ist für gutes Geld zu operieren und dann die Nachsorge nur halbbatzig anzugehen. Ein Fachartikel der meine Ansicht stützt und wissenschaftlich untermauert findet sich als Link auf der rechten Seite.

PATELLALUXATION: Der kleine Hund, der "lustig" hüpft

23.02.2020

Wieso dieses Thema?

Die Patellaluxation, das ausrenken der Kniescheibe während dem laufen, beschäftigt mich aktuell bei einem meiner Patienten. In den letzten Tagen habe ich nochmals alles mögliche dazu gelesen und möchte hier deshalb einen kurzen Überblick geben.

Welche Fuktion hat die Kniescheibe eigentlich?

Damit der vordere Oberschenkelmuskel das Kniegelenk überhaupt gestreckt halten kann, muss er mit dem Unterschenkel verbunden sein. Der Muskel selber endet aber bereits über dem Knie. Die Kniescheibensehne ist das Zugseil, welches vom Muskelende über die beiden Knochenenden von Ober- und Unterschenkel bis zum Verankerungspunkt im Unterschenkel runterreicht. Damit dieses Zugseil beim Biegen und Strecken des Beines nicht an den beiden Knochenenden von Ober- und Unterschenkel scheuert, braucht es eine Schutzvorrichtung. Die Kniescheibe, ein kleiner, flacher, leicht gewölbter Knochen, ist fest in die Kniescheibensehne eingewoben und rutscht anstelle der blossen Sehne passgenau, wie ein Bob im Eiskanal in einer Knochenrinne auf und ab. Dadurch kann sich das Bein fast ohne Reibung biegen und strecken und die Sehne bleibt immer schön in der Mitte des Gelenks. Eigentlich….

Woran sehe ich, dass bei meinem Hund die Kniescheibe ausrenkt?

Oft fängt es bei betroffenen Hunden schon im Welpenalter an, dass die Kniescheibe sich ab und zu plötzlich „ausrenkt“. Die Wände des Eiskanals sind nicht hoch genug und/oder das Zugseil zu lang. Der Bob kann auf der Innen- oder Aussenseite raushüpfen und durch seine Verbindung zum Zugseil -der Sehne- das Knie kurzzeitig blockieren. Wenn der Hund seinen vorderen Oberschenkelmuskel anspannt, reicht das oft schon um die Kniescheibe wieder in ihre Rinne zurück zu ziehen. Wir sehen also bloss, dass der Hund mit dem Betroffenen Bein einen einzelnen oder mehrere Schritte auslässt und dann normal weiter läuft. Das Rausspringen und wieder Einrenken tut zwar beim ersten Mal meist weh und gibt im Knie für einige Tage eine Schwellung. Danach ist das Aus- und wieder Einrenken aber für lange Zeit kaum mehr schmerzhaft. Wir müssen uns aber vorstellen, dass ausserhalb unseres Eiskanals kein Schnee liegt. Der  Bob rutscht über Stock und  Stein und seine Aussenhülle, der Gelenkknorpel der Kniescheibe, wird mit jedem Ausflug aus dem Kanal etwas stärker zerkratzt. Mit der Zeit ist er so rau, dass er dann seinerseits Spuren im Eiskanal, der Kniescheibenrinne, hinterlässt. Nun geht die Schädigung auch bei normaler Bewegung weiter.

Wenn Knorpel verletzt und immer mehr und mehr geschädigt wird, sprechen wir von Arthrose. Nun wird jede Bewegung schmerzhaft. Das Kniegelenk kann sich entzünden und ist dann warm und geschwollen. Es ist auch möglich, dass sich die aufgerauten Oberflächen von Kniescheibe und Knochen so verhaken, dass die Kraft des Muskels nicht mehr ausreicht um die Kniescheibe in ihre Rinne zurück zu ziehen. Wenn die Kniescheibe ausserhalb der Rinne hängen bleibt, kann der Hund sein Bein nicht mehr richtig strecken und spätestens Jetzt wird das Problem sichtbar, weil der Hund hinkt. Er hat aber vermutlich schon eine ganze Weile Schmerzen. Leider ist Knorpel nicht sehr gut darin, sich von Verletzungen wieder zu erholen. Deshalb lohnt es sich bei der Patellaluxation, genau hinzuschauen und früh zu reagieren.

Was kann ich tun?

Früh reagieren heisst, den Hund bei ersten Anzeichen von Patellaluxation genau beobachten. Wenn das Ausrenken über einige Wochen regelmässig auftritt, macht es Sinn den Hund tierärztlich abklären zu lassen. Der Tierarzt wird den Hund im Stehen und im Liegen abtasten und dabei beurteilen, wo die Kniescheibe gerade steht, ob sie sich von Hand aus der Rinne raus und wieder zurück drücken lässt und ob die Kniescheibenrinne zu flach ist. Teilweise wird er auch mittels Röntgenbild kontrollieren, ob es bereits sichtbare Schäden im Gelenk gibt. Wenn die Kniescheibenrinne schlecht ausgebildet ist, ist eine OP der sicherste Weg um das Problem nachhaltig zu lösen. Dabei wird die Kniescheibenrinne künstlich vertieft. Wie diese OP genau aussieht, ist im Video sehr schön beschrieben. Eine OP wird dann empfohlen „wenn die Hunde oft auf 3 Beinen gehen“. Zunächst kann aber meist auch versucht werden das Knie mit Physiotherapie zu stabilisieren.

Gibt es andere Möglichkeiten als eine OP?

Bei der Physiotherapie nutzen wir die Tatsache, dass die Sehne, die die Kniescheibe immer wieder an ihren Platz zurückzieht, mit dem vorderen Oberschenkelmuskel zusammenhängt. Wenn wir diesen Muskel trainieren und er dicker und stärker wird, erhöhen wir automatisch auch die Spannung auf dem Zugseil. Die Gefahr dass unser Bob „entgleist“ wird damit kleiner. Je schlechter die Muskelspannung bei Start der Therapie ist, umso mehr können wir hier bewirken und gerade bei jungen Hunden, die noch eher schwächere Muskulatur haben, kann es deshalb sein, dass gezieltes Training dieses vorderen Oberschenkelmuskels ausreicht um die Kniescheibe langfristig zu stabilisieren. Drei Übungen zum Muskelaufbau sind rechtsaussen im Artikel von Martina Flocken beschrieben.

Einige Dinge möchte ich zur Physiotherapie noch sagen.

  • Der direkte Zusammenhang zwischen der Kniescheibenstabilität und Oberschenkelmuskulatur bedeutet leider auch, dass die Patellaluxation im Alter, wenn die Muskelkraft und -spannung nachlässt erneut auftreten kann. Es lohnt sich also das Muskeltraining möglichst ein ganzes Hundeleben beizubehalten und nie ganz zu vergessen, dass da mal ein Problem war und dieses durchaus wieder auftauchen könnte.
  • Es ist erwiesen, dass unkastrierte Hunde tendenziell besser Muskulatur aufbauen. Weil uns die Muskeln im Fall der Patellaluxation helfen, die Kniescheibe zu stabilisieren, gebe ich teilweise die Empfehlung ab, einen Hund nicht, oder erst später zu kastrieren. Später heisst für mich dann, wenn der Hund körperlich voll ausgewachsen ist, also je nach Rasse mit 1-3j. 
  • Bei Hündinnen werden während der Läufigkeit Hormone ausgeschüttet die Sehnen und Bänder lockerer werden lassen. Es kann  vorkommen, dass die Kniescheibe immer dann ausrenkt wenn die nächste Läufigkeit ansteht und das Problem mit Abklingen der Läufigkeit wieder verschwindet. In dem Fall kann die Kastration ggf. eine Möglichkeit sein die Patellaluxation zu reduzieren. Wichtig ist hier, dass hier zwischen zwei Läufigkeiten kastriert wird, wenn die Bänder und Sehnen gerade eher straff sind. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Tierarzt beraten.
  • Ich finde es in vielen Fällen sehr sinnvoll erst den konservativen Weg ohne OP und über Muskelaufbau zu versuchen. Aber im Hinterkopf muss der Bob auf der Geröllhalde sein. Wenn sich die Situation des Hundes nach ca. 2-3 Monaten nicht verbessert muss ernsthaft überdacht werden ob nicht doch die OP in Betracht gezogen wird, bevor der Knorpel zu stark geschädigt ist. 
  • Auch nach einer Operation ist -sobald wieder belastet werden darf- Krafttraining der sicherste Weg, dass das Knie möglichst bald beschwerdefrei und stabil funktioniert. 
  • Unterstützend können in jedem Fall Knorpelaufbaupräparate helfen, das Fortschreiten der Schädigung zu verlangsamen. Im Idealfall bewirken sie sogar, dass sich der Knorpel sich wieder etwas erholen kann.

Tolles Erklärvideo, Enke Verlag

Für mich die anschaulichste Erklärung zur Patellaluxation, die auf Youtube zu finden ist.

BUDDELN: Unerwünschtes Verhalten oder perfektes Training?

14.02.2020

Darauf gebracht hat mich am letzten Dienstag eine Kundin. Ihr Hund ist seit einem Unfall vor über einem Jahr mehrheitlich auf drei Beinen unterwegs. Mittlerweile sind wir so weit, dass er an guten Tagen wieder regelmässig auf sein rechtes Hinterbein draufsteht und so auch kontrolliert Treppen steigen kann. Sobald es aber zu schnell oder zu uneben wird, entlastet er das Bein sofort wieder. Deshalb arbeiten wir daran, dass das Bein kräftiger wird und der Hund sein Gewicht auf den Hinterbeinen wieder gleichmässiger verlagert.

Während dem ich den Hund massiere, äussert die Kundin ihren Ärger darüber, dass er in den letzten Wochen auf den Spaziergängen angefangen hat zu buddeln. Das hatte er lange Zeit nicht mehr gemacht und darf er eigentlich auch nicht. Im ersten Moment habe ich mir nichts weiter dabei gedacht. Aber als ich mir auf der Heimfahrt überlegt habe wie extrem sich ein Hund während dem Graben auf beiden Hinterbeinen stabilisieren muss ist mir erst klargeworden, dass das

a) vermutlich ein Zeichen dafür ist dass es mit seiner Hinterhandstabilität und der Belastbarkeit des Beins weiter vorwärts geht.

b) wenn er das gerne macht, es für Ihn eine ganz gute Trainingsübung ist.

Wir haben mittlerweile besprochen wo und wie Sie das buddeln möglichst kontrolliert auf ihren Spaziergängen einbauen kann und beobachten inwiefern es uns als Trainingstherapie sogar weiterbringt.

Damit man sich die Kräfte die beim buddeln auf den Hundekörper wirken besser vorstellen kann, habe ich Bella zu einer kurzen Demonstration animiert. Buddeln ist so quasi die Bauch-Beine-Po-Übung für den Hund.

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